Dienstag, 16. Mai 2017

Erreichbarkeit 2.0 - schalt doch mal ab!

Ich benutze regelmäßig den ÖPNV um mich fortzubewegen und entdecke immer wieder interessante Muster, die mich begleiten. Eines dieser Muster ist der offensichtlich ständige Drang nach Erreichbarkeit. Es ist ja keine neue Verhaltensweise, dass das Smartphone buchstäblich an unseren Fingern angewachsen zu sein scheint. Letzte Woche habe ich allerdings ein Verhalten entdeckt, das mir in dieser Ausprägung bis jetzt unbekannt gewesen ist. Eine junge Frau stieg an einer Haltestelle mit Smartphone am Ohr in die U-Bahn. Das Gespräch schien nicht wirklich weltbewegend oder wichtig gewesen zu sein. Kurz nach dem Verlassen des Bahnhofs und der damit verbundenen Einfahrt in den Tunnel brach wohl das Gespräch mangels verfügbarer Netzabdeckung ab. Was darauf geschah lässt sich am Besten mit einem Nervenzusammenbruch mit Schnappatmung beschreiben. Als die Bahn kurze Zeit später im Tunnel zum Stillstand gekommen ist, sind bei der jungen Dame wohl sämtliche Sicherungen durchgebrannt. Jedenfalls fing sie laut an zu schreien, dass sie dringend hier raus müsse, da ihre Freundin noch am Telefon sei. Die Verzweiflung der jungen Dame, mindestens 2 Minuten lang kein Smartphone nutzen zu können endete in einem Heulkrampf und einem fluchtartigen Verlassen der U-Bahn unmittelbar nachdem der nächste U-Bahnhof erreicht wurde. 

Diese kleine Anekdote stellte mich vor eine neue Frage, die mich bis heute beschäftigt: Müssen wir heutzutage wirklich 24 Stunden erreichbar sein und mit der Welt kommunizieren? Und was würde passieren, wenn wir uns hin und wieder mal mit uns selbst und unserer unmittelbaren Umgebung beschäftigen? 
Ich habe auf der weiteren Fahrt nach dem Erreichen der Oberfläche jedenfalls aus dem Fenster geschaut und die Welt beobachtet während in meinem Augenwinkel alle anderen Fahrgäste um mich herum wieder mit ihren Smartphones beschäftigt gewesen sind.

Was bleibt sind verstörende Gedanken und viele neue Denkrichtungen.

Euer Sebastian

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